Wednesday, 18 Jul 2018

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Brandanschläge: Brief an Linzer Bürgermeister Klaus Luger
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Anlässlich der drei Brandanschläge auf die Zelte obdachloser Roma-Familien in Linz und den darauffolgenden Reaktionen übermittelte Romano Centro heute folgenden Brief an Bürgermeister Luger: 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

mit Entsetzen haben wir von den mittlerweile drei Brandanschlägen (am 14. und am 16. Februar sowie am 2. März) auf ein Zeltlager von Roma in Linz gelesen, 50 Personen wurden dadurch angegriffen und verloren ihre wenigen Habseligkeiten. Es ist unerträglich, dass mit Gewalt gegen die Ärmsten in unserer Gesellschaft vorgegangen wurde. So wie Sie finden wir es skandalös, dass die Öffentlichkeit znächst beinahe nichts von den Vorfällen erfahren hätte.

Gut, dass Sie in Ihrer Aussendung die Brandanschläge klar verurteilen. Einige Ihrer Aussagen befremden uns dagegen sehr:

Laut einem Artikel im Falter vom 2. März haben Sie gemeint, die Leute würden aufgrund einer „kulturellen Thematik" die ihnen angebotenen Notschlafstellen nicht annehmen und nur deshalb auf der Straße schlafen.

Dies ist nicht zutreffend. Wie auch die Autorin des Artikels recherchiert hat, haben rumänische Staatsangehörige ohne Anspruch auf Mindestsicherung auch keinen Zugang zu Notschlafstellen.

Die Aussage und die dahinter stehende Annahme ist leider sehr typisch für die Debatte. Die schweren sozialen Probleme, unter denen diese Menschen leiden, werden ihrer „Kultur" zugeschrieben. Die Menschen leben aber nicht in Zelten oder auf der Straße, weil das ihrer Tradition entspräche, sondern weil sie keine bessere Möglichkeit haben.

Den Vorschlag, die Gruppe möge auf dem Durchreiseplatz am Pichlingersee unterkommen, ist gänzlich absurd und zeigt neuerlich, dass die Probleme der Gewaltopfer durchgängig mit ihrer ethnischen Zugehörigkeit in Verbindung gebracht werden, anstatt sich an der konkreten Lebenssituation zu orientieren. Wie soll eine Gruppe ohne Wohnwagen auf einem Durchreiseplatz leben? Die Notreisenden sind keine Durchreisenden, sie pendeln viel mehr zwischen Rumänien und Österreich, weil sie in Rumänien ihren Lebensunterhalt nicht verdienen können.

Besonders problematisch finden wir den Umgang mit der Thematik auf der stadteigenen Internetplattform schau.auf.linz.at. Hier finden sich immer wieder Meldungen mit rassistischen und teilweise verhetzenden Inhalten, es wird von einer „Zigeunerplage" geschrieben und die Betreiber reagieren darauf nicht bzw. erst, wenn wir mit dem Weg an die Öffentlichkeit drohen.

Diese verbale Aggression ebnet den Weg zu tätlichen Angriffen. Wenn dies auf einer offiziellen Seite der Stadt passiert, ist die Wirkung umso verheerender. Am 2. März wurde auf schau.auf.linz.at die genaue Lage des Zeltlagers veröffentlicht, es wurde der Abbau der Zeltstadt und die Reinigung der Waldfläche verlangt (Eintrag von 10.14 Uhr). Am Nachmittag brannten dann die Zelte.

Auch der praktische Umgang der Stadt Linz mit Notreisenden muss dringend verbessert werden. Es kann nicht sein, dass Familien mit Kindern auf der Straße leben müssen. Viele Städte in Österreich – etwa Wien, Graz, Salzburg – haben für Notreisende aus Rumänien, Bulgarien oder der Slowakei inzwischen zumindest Schlafplätze für die kalte Jahreszeit geschaffen, bieten teilweise Beratung bzw. auch medizinische Notfallhilfe an, die Kinder besuchen Schulen. Wir sind überzeugt, dass auch die Stadt Linz in der Lage ist, die Situation pragmatisch und menschenrechtlich korrekt zu bewältigen und wir fordern Sie auf, sich dafür einzusetzen. Die Opfer der Brandanschläge brauchen vielfältige Unterstützung, auch psychologische Betreuung sollte ihnen angeboten werden, wie es für Gewaltopfer in vielen Fällen selbstverständlich ist.

Mit freundlichen Grüßen

Andrea Härle

Geschäftsführung